Literaturblog für die SchülerInnen und Schüler der BHAK&BHAS Eisenerz und Interessierte.

Sonntag, 11. April 2010

Alex Capus, Glaubst du, daß es Liebe war

Die charmante Hauptperson, ein kleiner Unternehmer, Lügner, Casanova aus der Provinz, verschuldet sich, wird Vater... und haut einfach ab - nach Mexiko - quasi als Aussteiger - fühlt sich wohl zwischen Meer, Villa und seiner mexikanischen Stammbar. Bis ihn die Sehnucht nach seinem Kind überfällt und die Erkenntnis, dass Flucht eine Illusion ist und es "villeicht doch Liebe war" Ein witziges und satirisches Buch über die Möglichkeit des Aussteigens.

Dienstag, 16. März 2010

Henri Alain Fournier, Der große Meaulnes

1913 geschrieben und der einizige Roman des jung verstorbenen franz. Autors. Die Besprechnung einer Neuübersetzung hat mich auf DEN romantischen Roman aufmerksam gemacht. Er spielt in der französischen Provinz unter Jugendlichen; einer davon erlebt zufällig ein geheimnisvolles, wundervolles Fest an einem ebenso geheimnisvollen Ort und findet diesen nicht mehr; nun beginnt die Suche nach diesem Ort und nach dem Mädchen, in das er sich dort verliebt hat. Doch alles ist wie vom Erdboden verschwunden. Mit der Suche nach dem "Verschwundenen" verstrickt sich die Hauptperson (Meaulnes) aber immer mehr in ein Schicksal, das es nicht gut mit ihm meint. Die Sehnsucht nach dem Paradies treibt den jugendlichen Helden vorwärts - und hinein in eine Welt, die auch Abschied und Schmerz bedeutet. All die romantischen Themen wie Freiheit, Sehnsucht, Schicksal, Jugend, Trauer, Erwachsen-Werden, Liebe feiern hier noch mal ihre Auferstehung.

Freitag, 19. Februar 2010

Ilija Trojanow, Der Weltensammler

KLAPPENTEXT:
Ein spannender Roman über den englischen Abenteurer Richard Burton (1821-1890). Anstatt in den Kolonien die englischen Lebensgewohnheiten fortzuführen, lernt er wie besessen die Sprachen des Landes, vertieft sich in fremde Religionen und reist zum Schrecken der Behörden anonym in den Kolonien herum. Trojanows farbiger Abenteuerroman über diesen Exzentriker zeigt, warum der Westen bis heute nichts von den Geheimnissen der anderen Welt begriffen hat.

Der Autor greift drei Episoden aus demLeben Burtons heraus: die Jahre auf dem indischen Subkontinent, die Reise nach Mekka sowie die Expedition nach Ostafrika - auf der Suche nach den Nilquellen. Eines der Motive Burtons ist es wohl, sich ganz "dem Fremden" hinzugeben, sei es in Religion, Sprache (er lernt alle für seine Reisen notwendigen Sprachen) oder Kleidung.
Gerade in der heutigen Zeit, wo viel über das Auseinanderdriften der Kulturen, ja sogar über den Kampf der Kulturen gesprochen wird, ein Roman, der endlich aufzeigt, dass dem Fremden und den Fremden mit Interesse zu begegnen ist. Phantastisch zu lesen.

Cormac McCarthy, Kein Land für alte Männer


Texanische Wüste, ein eiskalter Killer und seine Gegenspieler: Ein karger Roman, der endlich das NICHT bietet, was so viele dem Leser zumuten: sprachliches Bla-Bla, verschönernde Sprache und sprachliche Bilder im sinnlosen Überfluss; nun einmal ganz anders: minimalistisch, überlegt, "staubtrocken". Die Hauptpersonen, auf die es der Killer abgesehen hat, ein Jäger und ein Sheriff, wissen einfach, "worum" es im Leben geht, dass der Roman wie ein Drehbuch zu einem Leone-Western anmutet. Trotzdem findet man im Roma Sätzewie:

Und im Traum hab ich gewusst, dass er vorausreitet und irgendwo da draußen in der ganzen Dunkelheit und Kälte ein Feuer machen will, und wenn ich dann dorthin komme, ist er da....

Für den Leser, der Beschönigendes sucht: nicht empfehlenswert; keine Romantik, außer man versteht unter Romantik die texanische Wüste und die Einsicht in die Vergänglichkeit der Welt.

Um es vorwegzunehmen, was jeder ahnt: die Welt ist BÖSE und keiner mutet diese Einsicht dem Leser so zu wie McCarthy. Was uns rettet: die in Worte gefasste Einsicht, dass die Welt wüst ist.

Sonntag, 17. Januar 2010

E.L.Doctorow, Der Marsch

Der Roman über den amerikanischen Bürgerkrieg! General W.T. Sherman marschiert mit seiner Armee durch die Staaten der Konförderation und besiegt deren Armee. Dieser Marsch bildet die Rahmenhandlung für alles Menschliche: vom resignierenden, aber genialen Militärarzt bis hin zur Liebe in Zeiten des Krieges. Ein wunderschöner, gewaltiger Roman über den ersten modernen Krieg und was er im Menschen bewirkt. Pflichtlektüre für alle EnglischlehrerInnen!
Doctorow wird mir sicher noch ein paar schöne Stunden bescheren.

Samstag, 2. Januar 2010

Cormac McCarthy, Die Straße

Ein Roman von testamentarischer, apokalyptischer Wucht. Amerika ist zerstört (Atomkrieg? Klimakatastrophe?... wir erfahren es nicht). Durch dieses wüste Land ziehen Vater und Sohn - auf der Suche nach Menschlichem, nach Menschen. Wir wissen fast nichts über ihre Vergangenheit, aber wir erfahren alles über die Liebe eines Vaters zu seinem Sohn. Düster, gewaltig und herzzeireißend!

Mittwoch, 11. November 2009

Imre Kertész, Roman eines Schicksallosen

Der Nobelpreisträger nähert sich in diesem Roman Auschwitz. Aus der Sicht eines jüdischen ungarischen Jungen beschreibt er Deportation, die Welt der Konzentrationslager und die Rückkehr in die Heimat (Ungarn). Er zeigtden Kampf um das nackte Überleben in den Konzentrationslagern, aber auch, dass Glück immer möglich ist, vor allem, wenn der Tod nahe ist. Kertesz greift aber nicht auf christliche Erklärungsversuche zurück (wie: die Welt ist böse und Erlösung ist möglich), sondern beschreibt einen Jungen, seinen Überlebenswillen und sein Streben nach Glück in einer mörderischen Zeit. Für die Hauptperson gibt es keine Erlösung, nur die Existenz und das Glücksgefühl, überlebt zu haben. Der Roman über den Holocaust.
... es gibt keine Absurdität, die man nicht ganz natürlich leben würde........

Dienstag, 1. September 2009

Dimitré Dinev, Engelszungen

Bulgarien im Zeitalter des Kommunismus war für mich bis zu diesem Roman ein "unbekanntes Land". Dinev erzählt die Geschichte zweier Hauptpersonen und ihrer Familien während dieser Zeit. Die Protagonisten mussten unter der Herrschaft der kommunistischen Partei überleben, beide wählten andere Strategien. Die Söhne der Hauptpersonen treffen sich zufällig als Einwanderer in Wien, mittellos und einsam, und lassen den Leser an ihren Familiengeschichten teilhaben, die alles zu bieten haben, was ein "Leserherz" begehrt. Spannend, episch breit, deftige Episoden.

Dienstag, 11. August 2009

David O. Benioff, Stadt der Diebe

Leningrad 1942: Die Stadt ist von deutschen Truppen belagert und soll ausgehungert werden.
Den zwei Hauptpersonen (dem 17-jährigen Lew und dem Soldaten Kolja) droht der Tod - wegen Plünderung. Nun bekommen sie vom russischen Geheimdienstchef den Auftrag, zwölf Eier für die Hochzeitstorte seiner Tochter aufzutreiben, nur so können sie ihr Leben retten. Und das in einer Stadt, die am Verhungern und von den Nazi-Truppen eingeschlossen ist. Bedrückende Bilder aus dem belagerten Leningrad, das Wüten der NS-Einsatztruppen hinter der Front lassen die beiden Hauptpersonen aber nicht verzweifeln, sondern moblisieren ihre ganze Widerstandkraft, um in diesem wütenden Chaos als Menschen zu überleben. Spannend bis zur letzten Seite.

Mittwoch, 1. Juli 2009

Fred Vargas, Der 14. Stein

Wieder einen Fred Vargas Krimi gelesen. Der mir schon vertraute Kommissar Adamsberg glaubt einem Mörder auf der Spur zu sein, der seine Opfer mit einem Dreizack umbringt. Leider vermutet nur er hinter dieser Mordserie einen Zusammenhang, denn er ahnt: ein Wahnsinniger geht seit Jahrzehnten nach einem mörderischen Plan vor - bei der Auswahl seiner Opfer. Gelungen bei den Vargas-Krimis die Zeichnung des Kommisars Adamsberg, der ungewohnt eher durch Emotionalität, Erahnen mystischer Zusammanhänge als durch Analyse und Rationalität den Leser in seinen Bann zieht. So zeichnet Vargas in ihren Adamsberg-Krimis eine mystische, poetische Welt, die nur darauf wartet, von Adamsberg entziffert zu werden. Für jeden Krimi-Fan ein Muss, aber auch als Einstiegsdroge verwendbar. Nette Krimi-Seite.